Familie hat Zukunft

Der Hirte oder auch Hirt ist ein Hüter, ein Beschützer und Begleiter einer Nutztierherde aus berufspraktischer oder auch mal einer "Herde" Menschen aus religiöser Sicht. Da kommt es nicht von ungefähr, dass die lateinische Entsprechung für das Wort Hirte "Pastor" lautet. Auch in vielen anderen Sprachen hat sich diese Bezeichnung ähnlich verankert, wie etwa im Französischen, im Italienischen, aber auch im Ungarischen. Hinzu kommt, dass der Hirte in der Bibel sehr oft als ein bildliches Gleichnis für Gott und Könige Verwendung findet. Geläufige zusammengesetzte Substantive im religiösen Bezug sind zum Beispiel der Hirtenbrief, der Hirtenstab oder das Hirtenamt.

Die Metaphorisierung des Hirten ist sicher in seiner einsamen Verantwortung, sehr oft weit abgeschieden von jeder weltlichen Hilfe, zu sehen. Sein Habitus besteht aus Geduld, Ruhe, Aufmerksamkeit, Wachsamkeit und Fürsorge. Er ist ein Nomade, der dort zu Hause ist, wo es seiner Herde möglichst an nichts mangelt. In sich gekehrt durch den Mangel an sozialen Kontakten verkörpert er das Leitbild des stillen Wissenden, durch seine ständige Aufmerksamkeit immer "empfangsbereit" für jede Art der göttlichen Botschaft. So lesen wir in der Bibel, dass als erstes die Hirten Kunde bekamen von Christi Geburt und nach Betlehem gingen, um das Neugeborene zu preisen.

Was hat nun aber eine Schule für Kinder aller Altersgruppen mit ihren bunten Schulranzen von McNeill oder Scout als ihre Hirtentaschen mit der Wortlehre des Hirten zu tun? Dazu müssen wir erst ein wenig über diese besondere Schule erzählen.

Die Schule xxxx ist eine Spezialschulen für körperbehinderte Kinder und Jugendliche. Es handelt sich um eine Tagesschule, wo die Schüler und Schülerinnen nicht nur geistig lernen, sondern auch verschiedene Übungen im Breich der Ergo- und Physiotherapie absolvieren und gemeinsam essen. Viele junge Körperbehinderte kommen mit Spezialfahrzeugen oder Spezialbussen, einige werden im Verlauf der Bildung und der Therapien dazu befähigt, den Schulweg allein mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu meistern.

Betrachtet man die vielen Lehrer, Betreuer und Therapeuten als die Hirten, so wird schnell klar, dass jeder Einzelne von ihnen zwar nur eine kleine „Herde“ zu umsorgen hat, aber gerade bei Geduld, Wachsamkeit und Fürsorge ein Höchstmaß unter Beweis stellen muss. Das ist sicher nicht immer eine leichte Aufgabe. Und es ist auch noch nicht so lange her, dass behinderte Kinder in den Schulen unter körperlicher Misshandlung „erzogen“ wurden. Seien wir darüber froh, dass der Rohrstock dem Hirtenstab gewichen ist und auch Kinder mit erheblichen körperlichen Behinderungen immer ein Stück besser auf ihr erschwertes Leben vorbereitet werden können.